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Eine geschichte von besonderen Zeiten

Eine geschichte von besonderen Zeiten

Tuffi und Fips finden Lösungen in der Krise

Tuffi, das kleine Elefantenmädchen, stand im Außengelände des Elefantengeheges und war höchst irritiert. Seit Tagen schien die Sonne, es war herrlich draußen, die Luft so klar und rein wie selten, aber: Es waren keine Besucher da. Das hatte Tuffi noch nie erlebt. Sonst standen die Kinder am Zaun und riefen ihr begeistert zu und waren aufgeregt, wenn Tuffi und ihre Herde durch das Außengelände liefen. Heute aber war es still, sehr still, obwohl doch eigentlich Besucherzeit war. Tuffi fühlte sich einsam, schrecklich einsam. Sie hatte zwar ihre Elefantenherde, aber ihre Mutter, die Tanten und die Neffen hatten keine Lust mit ihr zu spielen und ihr fehlte Fips, ihr kleiner Mausefreund.

Sie hielt sehnsüchtig Ausschau nach Fips, aber er war weit und bereit nicht zu sehen. Tuffi wusste, dass sie keinen Kontakt zueinander haben sollten, weil sich gerade ein ansteckendes Virus verbreitet und es wichtig war, es in der Ausbreitung zu verlangsamen, weil sonst die Ärzte die ganze Arbeit nicht schaffen können. Auch wenn sie es wusste und auch einsah, dass die Kontaktbeschränkung wichtig war, linderte es ihre Einsamkeit nicht. Am Abend schlief sie ein und dachte daran, was sie mit Fips spielen würde, wenn sie sich wieder nah sein könnten.

Mitten in der Nacht wurde sie plötzlich von einem piepsigen Geräusch geweckt. Tuffi schnellte aus dem Stroh hoch, dieses Geräusch kannte sie. Sie stellte ihre Ohren so weit auf wie möglich und jeder, der sie so gesehen hätte, hätte gedacht, sie sei Dumbo. Da war das Geräusch schon wieder, sie lauschte und lauschte. Sie hatte sich nicht getäuscht: das piepsige Stimmchen gehörte zu ihrem besten Freund Fips. „Tuffi“, rief Fips, „ich stehe vor deiner Stalltür, mein Onkel hat die Mäuseklappe  mit einem Lüftungsgitter verändert. Wir können Abstand halten und uns trotzdem hören“.

Tuffi war überglücklich und hörte, was Fips zu erzählen hatte. Fips machte es sich auf einem Strohhaufen bequem und erzählte Tuffi fast die ganze Nacht davon, was gerade in der großen Mausefamilie los war. Alle Mäuse wären ganz aufgeregt gewesen, als sie hörten, dass ein Virus durch die Welt schwebt, welches besonders für betagtere Wesen gefährlich sein könnte. Die Mausefamilie macht sich große Sorgen um die geliebten Mausegroßeltern, die um die Ecke wohnen. Nun dürfen sie nicht mehr zu den Großeltern gehen und vermissen die lustigen Geschichten, die Opa erzählt und das „Maus ärgere dich Spiel“ mit Oma. Fips wischte sich eine Träne aus dem Auge, als er weitersprach und Tuffi erzählte, dass Oma und Opa bestimmt sehr einsam und traurig sind.

Tuffi musste auch einmal schniefen und dachte daran, wie es wäre, wenn sie ihre Tanten plötzlich nicht mehr sehen könnte.Tuffi und Fips schwiegen eine zeitlang, wie sie es schon oft getan hatten. Sie mochten die Stille, oft waren ihnen genau dann neue Erkenntnisse gekommen. Plötzlich sagte Fips: „Kopf hoch Tuffi, das war nur der erste Teil meiner Geschichte. Wir sind Mäuse und die sind quirlig, stark und auf Zack.“ Tuffi konnte Fips hinter seiner Stalltür nicht sehen, konnte sich aber genau vorstellen, wie sein kleiner Freund etwas breitbeinig mit Händen in den Hüften dastand und vor Stolz und Optimismus fast platzte. Tuffi lächelte bei dieser Vorstellung.

Fips begann den zweiten Teil seiner Erzählung. „Unsere Mausefamilie hat sich zusammengesetzt und Ideen entwickelt. Da kam ganz schön was zusammen, liebe Tuffi. Du weißt ja, wir sind ein lustiges Völkchen und das Virus verschwindet ja nicht, wenn wir traurig und betrübt sind. Im Gegenteil, wir Mäuse glauben, dass wir gesund bleiben, wenn es uns von „innen“ gut geht.  Sind wir glücklich, sorgen wir für uns und andere. Also haben wir Lieder einstudiert und zusammen gesungen und musiziert. Jeden Abend stellen wir uns vor das Mauseloch der Großeltern und singen ihnen Lieder vor. Machmal vergessen wir den Text und schütteln uns vor lachen und wir hören wie Oma mitkichert. Das sind lustige Abende und vor dem Schlafen spüren wir unsere Zufriedenheit, denn anderen Freude zu machen, beglückt uns selber am allermeisten.Meine Schwester macht sich auf die Suche nach den besten Leckerbissen für Oma und Opa und mein Bruder und ich haben unser Skateboard umgebaut und lassen die Leckerbissen auf Rädern durch das Mauseloch gleiten. Was für ein Spaß. Meine jüngste Schwester malt Bilder für Oma und Opa und Mama backt leckere kleine Küchlein, die wir vor der klitzekleinen Haustür mit dem Mauseloch abstellen.

„Unser Zusammengehörigkeitsgefühl ist gewachsen, obwohl wir uns nicht sehen können.“

Fips erzählte, dass er sich nicht erinnern kann, wann die Familie so viel Zeit miteinander verbracht hatte und er nun anfängt, der an sich herausfordernden Situation etwas Gutes abzugewinnen.Tuffi war beeindruckt von Fips Erzählung und erzählte Fips von ihrer Elefantenfamilie. „Meine Herde hat einen Rat einberufen, nachdem wir von dem Virus gehört hatten. Die Leitkuh hat alle anderen informiert und für Gelassenheit und Ruhe geworben. Es war ein sehr intensiver Moment und alle haben inne gehalten. Die Leitkuh (meine Mama) bat die Eichhörnchen freundlich Abstand zu halten, was sehr betrüblich war, weil ich es immer so genossen habe, ihrem munteren Treiben über uns zuzuschauen. Besonders Lio, das kleine Eichhörnchen, ist so lustig und hopst machmal auf meinen Rücken.“

Tuffi erzählte auch, dass die Elefanten sich jeden Abend versammeln, um einen Segen in die Welt zu schicken, danach wird gemeinsam meditiert. Wir genießen morgens den Sonnenaufgang und atmen die klare Luft ein. Es ist anderes als vor Corona. Wir hören weder Flugzeuge noch  Autos. Unsere bergische Stadt macht Pause, die Menschen schöpfen Kraft aus der Ruhe und haben mehr denn je die Möglichkeit, sich darüber klar zu werden, warum sie hier auf Erden sind und was sie beitragen möchten, um die Welt zu einem liebevolleren Planeten zu machen. 

Die Coronazeit ist zu einer intensiven Reise zu uns selbst geworden.

Da wir nicht so viele Außenkontakte haben, gehen wir in uns, gewinnen Tiefe und erlangen Einsichten.Wir spüren. was uns wirklich am Herzen liegt. Wir können wertschätzen, wie gut es uns geht und sind dankbar dafür, dass wir uns haben. Wir Elefanten glauben, dass die Welt nach Corona anders ist. Wir hoffen, es gibt danach mehr Liebe und Achtsamkeit untereinander und mit der Natur.“

Fips kaute berührt und nachdenklich an einem Strohhalm. Er bemerkte, wie unterschiedlich die Elefanten und Mäuse mit der identischen Situation umgingen. Er sagte: „Weißt du, Tuffi, das Wichtigste ist, dass wir jetzt das tun, was uns nährt und gegenseitig stützt. Jeder geht anders damit um und alles ist ok, sofern wir freundlich zueinander sind und Rücksicht nehmen.“ Dann rief er übermütig: „Wir können trotz des Virus lachen, singen, uns gegenseitig helfen, uns zuhören, sogar ein Sonnenbad können wir im Außengelände nehmen, mit Abstand zwischen uns.“ „Ja“, sagte Tuffi „stimmt und es geht noch viel mehr:  Wir können Hoffnung, Zuversicht, Freude und Liebe verbreiten, lass uns jetzt damit beginnen.“

© Monika Thiel, Text | Birgitta Nicolas, Illustration